Die WVV-Auswahlmannschaften der U19-Jungs und der U18-Mädchen absolvierten Anfang Juni in Norderstedt nach dreieinhalb Förderjahren ihr viertes und somit letztes Bundespokalturnier. Die Ausrichter vom VC Norderstedt boten eine Sechsfachsporthalle, in der auf fünf Feldern ab Freitagmittag gespielt wurde.
Die diesjährige Ausgangslage der beiden WVV-Mannschaften war sehr unterschiedlich: Während die männliche Vertretung mit acht regionalligaerfahrenen Spielern antreten konnte, waren vom ursprünglichen Kader der Mädchen gerade mal fünf Spielerinnen übrig geblieben.
Die Jungs schienen denn auch zu Beginn des Turniers diese – seit vielen Jahren ungewöhnlich gute – Ausgangslage in positive Ergebnisse umsetzen zu können. Im äußerst dramatischen Auftaktspiel gelang gegen einen der Turnierfavoriten (Bayern) ein 2:1-Sieg. O-Ton Verbandstrainer Schütz: „Dies war wahrscheinlich das beste Turnierspiel einer WVV-Auswahl seit mehr als 10 Jahren!“ Was dann allerdings folgte, war ein ‚Abschied auf Raten’. Gelang gegen Hessen noch der erwartete 2:0-Sieg, versagten im anschließenden Spiel gegen Sachsen sämtliche Leistungsträger, und der angepeilte Halbfinaleinzug war verspielt. Im anschließenden Duell der ‚Looser’ wiederum gegen Bayern gab es eine ordentliche Klatsche, und das Spiel am Sonntag gegen Sachsen-Anhalt war sportlich trotz des 2:1 Sieges wahrlich kein Augenschmaus. Mit Platz 7 wurde die vierjährige Förderzeit beendet, nach Aussage von Schütz ‚unvollendet’: „Der Doppeljahrgang 93-94 bei den Jungs war meiner Meinung nach die talentierteste Gruppe seit den 83ern. Niedergeschlagen in Bundespokalergebnissen hat sich dies leider nie. Ich bin dennoch überzeugt, dass wir den einen oder anderen Spieler in absehbarer Zukunft in der Bundesliga sehen werden.“
Karo Tünsmeyer, Lena Thewes, Sarah Wolfschläger, Alisha Ossowski und die nach zweijähriger Abstinenz erneut dazu gestoßene Libera Julia Lambertz übernahmen die nicht einfache Aufgabe in Norderstedt, die übrigen sieben nominierten Spielerinnen durch ein hartes Turnier zu führen. Speziell Neujugendnationalspielerin Ossowski und Bundesstützpunktspielerin Wolfschläger gelang dies in beeindruckender Weise! Die Berliner Auswahl wurde gleich 2x bezwungen und blieb somit der ‚Lieblingsgegner’ der vergangenen Jahre. Lediglich die mit vier Nationalspielerinnen besetzte Auswahl aus dem Nachbarland Niedersachsen ließ der WVV-Auswahl keine Chance. Mit dem fünften Platz war der WVV-Tross an diesem Wochenende denn auch zufrieden. Coach Heike Ruhmer lobte neben den erfahrenen Spielerinnen auch die Qualität und den Einsatz der ‚Küken’ aus dem 96er Jahrgang. „Platz 5 ist optimal für diese zusammen gewürfelte Gruppe“ war das Fazit von Ruhmer.
WVV männlich:
: Bayern - 2:1
: Hessen - 2:0
: Sachsen - 1:2
: Bayern - 0:2
: Sachsen-Anhalt - 2:1 = 7. Platz
WVV weiblich:
: Hamburg - 2:0
: Berlin - 2:1
: Niedersachsen - 0:2
: Berlin - 2:0
: Brandenburg - 2:1= 5. Platz
Wolfgang Schütz zog im Anschluss an das Turnier ein kritisches Fazit der Leistungsentwicklung in NRW:
„ Der Bundespokal in Norderstedt hat – aus unserer Sicht muss ich sagen: leider – einige Tendenzen bestätigt. Bereits vor drei Jahren beim Regionalpokalsieg in Berlin wagte ich zu behaupten, dass in der Mädchengruppe relativ wenig Spitzenpotenzial stecken würde. Wenn man jetzt erkennt, dass lediglich Jana Braakhuis (niederländische Nationalspielerin und daher nicht mehr in der WVV-Auswahl) sowie Alisha Ossowski (super Entwicklung) und Sarah Wolfschläger (ist auf einem sehr guten Weg) konsequent den Leistungssportweg eingeschlagen haben, dann lag ich damals nicht so ganz verkehrt. Mit Dora Grozer und der Späteinsteigerin Louisa Lippmann aus Hiddenhausen gibt es allerdings zwei Talente, die den Sprung in die Spitze durchaus schaffen können. Ich drücke ihnen jedenfalls beide Daumen.
Bei den Jungs hat sich deutlich gezeigt, dass bei einem solchen Spitzenturnier selbst Regionalligaspieler keine Power für drei Turniertage haben. Die Ursachen sind wie immer vielschichtig, aber da alle anwesenden Spieler bundesweit das gleiche Programm (auch in der abgelaufenen langen Hallensaison) in den Beinen und in den Köpfen hatten, muss ich feststellen: Unsere Spieler waren athletisch zu schwach! Das Training in den Heimvereinen reicht vom Umfang her bei weitem nicht (mehr) aus. Wir müssen uns in der Leistungsförderung auf jeden Fall Gedanken über andere Strukturen als in der Vergangenheit machen. Qualität und Umfang des Trainings sind nur bei motivierten Spielern und mit kooperierenden Schulen zukünftig förderlich und somit auch vielleicht zu fördern!?“
Termin Bundespokal oder:
Verheizen wir unsere Talente?
Der Termin Anfang Juni zeigte zum wiederholten Mal ein Dilemma der nationalen und internationalen Rahmenterminplanung auf. Nach einer langen Hallensaison (Relegation für einige Spieler erst im Mai), der Jugendeuropameisterschaft im April und dem übervollen Jugendkalendermonat Mai (Jugend trainiert für Olympia, DM U18, DM U20; erste Beachturniere) wirkten viele Spitzentalente ausgelaugt. So war es auch kein Wunder, dass mit Berlin (eingespielte Stützpunktmannschaft mit nur einem - allerdings ‚ausgeruhten’ - Nationalspieler) und Niedersachsen (eingespielt und ohne Nationalspieler) zwei Teams bei den Jungs das Endspiel bestritten, die sich nochmals zu einer Energieleistung aufraffen konnten. Das Gesamtniveau des Turniers war m.E. deutlich zu schwach angesichts der doch guten Talentlage. Ein abschließendes Highlight der Landesförderung sieht jedenfalls anders aus. Und für einige Talente ging es zwei Tage später sofort mit Trainingslagern im Sand weiter…Der DVV muss sich mit den Nachwuchsbundestrainern an der Spitze sicherlich auch zukünftig über ‚Schutzmaßnahmen’ für Toptalente Gedanken machen.